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Domenico Billari

11.12.15 - 13.02.16 

YKLlNE 2015 Plexiglas, Holz, Rauchku- geln 12,5 cm x 20 cm x 400 cm

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konnichiwa! 今日は 2015 Seide, Plastikfolie, Cellophan, Holz A3

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Selfie 2014 T-Shirts, Plexiglas 29 cm x 29 cm x 51 cm

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YKLlNE 2015 Plexiglas, Holz, Rauchku- geln 12,5 cm x 20 cm x 400 cm

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今日は

„今日は[Konnichiwa]!“ – Ich schau mich um und registriere, dass ich bei den Duty-Free-Shops stehe, irgendetwas befremdet mich, ich bin am Flughafen aber dieser hier wirkt anders als CDG, LHR, LAX oder JFK – als ob jemand einen Zerrfilter über die Architektur gelegt hätte. Es sieht aus wie in jedem Flughafen dieser Welt, leer und steril – immer vertraut aber nie einladend. „今日は[Konnichiwa]!“ wiederholt die Stimme und ich schaue ins Gesicht der Geisha am Eingang eines Souvenirladens. Sie schaut mich freundlich an und ihre Gestik lädt mich in ihren Shop hinein. Über der Tür leuchtet die Katakana kalt in die Halle voller Menschen.

Trotz dem Gedränge draussen ist der Laden leer. Die Auslagen sind grell beleuchtet, die Ware liegt eng zusammen gestellt auf den Regalen, billige Noh-Masken hängen an den Wänden und kleine Puppen mit weissen Gesichtern lächeln um die Wette. Ob diese „Made in China“ sind? Oder doch Taiwan? In der Ecke liegt ein alter Zeitungsstapel, das dünne Papier ist bereits angegilbt.

Nach einer kurzen Durchsicht der Ware drehe ich mich der gelangweilten Verkäuferin hinter dem Tresen zu und frage „Cigarettes please!“. Sie schaut mich fragend an und deutet auf die verschiedenen Marken in der Auswahl, bei einer weiss-goldenen Packung nicke ich. „はい[Hai]!“ – und schon legt sie mir die Zigaretten hin. Ich zahle und gehe raus – „Arigato!“ – Richtung JAL-Lounge [Japan Airlines]. Die Dame empfängt mich freundlich und lässt mich hinein – auf meinem kontrollierten Boarding Pass steht die Destination Paris CDG.

Ich setze mich schweigend in den Sessel und zünde eine Zigarette an, die Katakana am Filter sind golden – genug Luxus zum bestellten Whiskey: Nikka, 21-jährig. Der blaue Dunst schwebt in der Luft,verfängt sich an den Kabeln der tiefen Hängelampen und befreit sich wieder. Hoch oben spiegelt sich mein Gesicht an der schwarzen, polierten Decke.

Das Flugzeug gleitet durch dichten Nebel, der Blick aus dem Fenster offenbart nur eine graue Leere, gelegentlich erahne ich im Augenwinkel die Signalleuchten an den Flügeln. Ich schaue in die Kabine, die meisten Passagiere lesen, arbeiten oder benutzen die Bordunterhaltung, alle sind ruhig. Hier drinnen herrscht Ordnung und Vertrauen gegenüber der Kapsel in der wir sitzen. 5A – was diese Nummer unterhalb des gemusterten Teppichs wohl bedeutet?

Auf dem Bildschirm meines Computers – diese werden ein paar Flugstunden weit entfernt zusammen gebaut – erscheinen meine Notizen, Funde und Fotografien der letzten Wochen. Gruppenfotos der mehr oder wichtigen Treffen, Postkarten von Tempeln und Landschaften, Zeitungsartikel und Entwürfe. Neben mir wischt die Sitznachbarin durch ihre Fotos und vergleicht Selfies. Eines schafft es auf ihren Instagram-Account. Eine uniformierte Stewardess bietet uns schliesslich Getränke an.

 

Mateo Chacon-Pino, Dezember 2015